Mittwoch, 24. Juni 2020

Fragen an…Max Stiegl

Da wir, auf Grund der Corona-Pandemie, die CHEF-SACHE Premiere in Wien in das kommende Jahr verschieben mussten, hattet ihr leider nicht die Chance Max Siegl live auf der Hauptbühne zu sehen. Das finden wir mindestens genauso schade wie ihr, daher haben wir ihm ein paar Fragen zur aktuellen Lage gestellt. Lest selbst, warum Max bereits vor allen anderen wusste, was auf uns zukommt und wie er sich vorbereitet hat.

Wie hat sich die Pandemie auf deinen Betrieb ausgewirkt?

Max Stiegl:
Ich war den ganzen Februar in Asien unterwegs und habe ein bisschen gesehen, was auf uns zukommen wird.
Sofort, als ich zurückkam in der ersten Märzwoche, habe ich damit begonnen Speisen in Gläser einzuwecken. Ich dachte, in Zeiten einer Krise, hat es schon immer Sinn gemacht Dinge haltbar zu machen und einzuwecken. Wir hatten am 16. März den Shutdown und konnten, durch die Vorbereitung, bereits am 18. März Speisen anbieten und verkaufen. Das kam sehr gut an und wir haben 112 000 Gläser verkauft.
Es hat uns sehr hart getroffen, aber alle auch gleichwertig getroffen. Somit hat sich herauskristallisiert, dass diejenigen, die Ideen haben und sich bemühen, sich etwas leichter getan haben, zumindest die Fixkosten begleichen zu können oder das Personal entlohnen zu können.

 

Welche Maßnahmen habt ihr ergriffen? Kamen alternative oder soziale Konzepte zum Einsatz?

Max Stiegl:
Wir haben Produkte in Gläsern verkauft. Klassische und vertraute Speisen. Das lief gut und wir werden das auch weiterhin produzieren. Wir haben das jetzt ein bisschen perfektioniert. Ich habe einen Autoklaven angeschafft, die Produkte werden jetzt also sterilisiert und in einer eigens angemieteten Küche produziert. Ein separates Team von neun Mitarbeitern kümmert sich um die Produktion Ich freue mich sehr und bin gespannt wie es langfristig ankommen wird.


Wie sehen eure Pläne für die nächsten Monate aus? Hat der Shutdown eine nachhaltige Wirkung auf euer Konzept der Zukunft? Haben sich daraus vielleicht auch Chancen ergeben?

Max Stiegl:
Ich glaube, dass die Pandemie, die sogenannte Corona-Krise, auch etwas Gutes an sich hat. Nicht falsch verstehen, aber ich glaube, dass sie das Bewusstsein stärken wird und sehr viele Beteiligte sehr gut aus der Krise (zumindest mental gestärkt) kommen werden. Das ist nicht immer alles sehr negativ, auch wenn es nicht vergleichbar ist.
Im kleinen regionalen Rahmen hatten wir zum Beispiel im Jahr 1986 in Österreich diesen Wein-Skandal,  welcher im Nachhinein aber eher der Durchbruch für den burgländischen Wein war. Auf einmal ging es hoch her für Weine aus dieser Region, alle waren happy und jeder wusste, was zu tun ist. Mittlerweile ist man seit zwei Jahrzehnten stolz, burgenländischer Winzer bzw. Weinbauer zu sein.
Eventuell passiert hier durch die Krise auch Ähnliches. Vielleicht wird das Handwerk jetzt mehr geschätzt und es bekommt mehr Ansehen. Vielleicht besinnt man sich mehr zu dem Regionalen, Saisonalen und konzentriert sich nicht immer auf Dinge von irgendwo auf der Welt.

 

Was ist eure größte Sorge in Bezug auf die Entwicklung der Pandemie?
Was wird passieren, wenn ein erneuter Shutdown erfolgt oder sich in Zukunft eine neue Pandemie verbreitet? Seid ihr schon vorbereitet?

Max Stiegl:
Ich mache mir manchmal ein bisschen Gedanken, was sein wird wenn ein zweiter Shutdown kommt, wenn nochmal alles gesperrt wird. Was ist wenn nochmal irgendetwas passiert? Das kann alles sein, aber ich fürchte mich grundsätzlich vor keiner Krise. Ich habe drei kleine Kinder, was soll mir passieren? Wir haben einige Mitarbeiter und wir haben mehrer Standbeine. Ich verfolge eine glaubwürdige Küchenlinie seit 15 Jahren. Wir haben uns der Nachhaltigkeit schon immer gewidmet. Deswegen glaube ich, dass das, was ich hier mache, ein glaubwürdiges Projekt ist. Warum soll es nicht funktionieren? Menschen werden immer Essen und Trinken müssen und wenn man das Ganze zu einem Erlebnis bzw. zu einem guten Package verpackt, funktioniert es. Wir haben nach der Wiedereröffnung schnell gemerkt, dass unsere Produkte (z.B. das Huhn in der Blase) sich schnell und vielfach verkauft.
Ich frage mich manchmal, was passiert, wenn einmal festgestellt wird, dass bei uns im Betrieb ein Gast in irgendeiner Form infiziert wurde? Wird dann der Betrieb komplett geschlossen? Es gibt keine klaren Regelungen. Mir fehlen hier klare Ansagen von der Regierung.

 

Kategorie: Chefs

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